RAin Clemm würdigt die Beweismittel
Es stehe nach der Beweisaufnahme fest, dass sich Yunus und Rigo auf dem Platz zufällig getroffen hätten, und dann den Verlauf des Abends abseits, auf einem Verkaufswagen sitzend beoachtet hätten. Sie seien überraschend festgenommen worden, hätten den Molotowcocktail weder geworfen, noch gesehen.
Ebenso stehe fest, dass um 21:30 Uhr der erste Wurf erfolgte, der zweite dann 21:35. Die werfende Person hatte ein weißes T-Shirt an, trug ein schwarzes Basecap.
Die sofortige Gegenüberstellung am Tatabend, dass Yunus und Rigo nicht zu der von den Demontranten beobachteten Tätergruppe gehören konnten.
Die Ermittlung seien einseitig, schlampig und voreingenommen geführt worden. Yunus und Rigo hätten schon am 2.Mai entlassen werden müssen! Sie weist auf die unterlassene sofortige Untersuchung der Kleidungsstücke hin. Auf die Episode mit dem Handschuh. Tatsächlich widersprächen sich die Polizeizeugen durchaus im Kern: nämlich die in den Skizzen eingetragenen Tatorte, Verfolgungswege und Festnahmeorte decken sich nicht! Es bleibt die alleinige Behauptung der "ununterbrochenen Beobachtung"!
Es ist ihr unverständlich, dass das Gericht die Haft so lange aufrecht erhalten habe. Es hätte keine Beweise der Schuld gegeben, lediglich der Unschuld!
Nämlich die nicht abgesprochenen Einlassungen der Angeklagten. Die fehlenden Benzinspuren. Die fehlenden Behältnisse zum Transport. Die Videos, die einen schlechte Einsicht auf den Tatort vom Standort der Polizeizeugen belegen. Der Zeitpunkt des Eintreffens des Sanitäters, der von den Polizeizeugen noch beobachtet wurde, relativiere die Aussage von der "sofortigen" Aufnahme der Verfolgung, das Täterfoto usw.
RAin Clemm greift das Gericht an. Das Gericht hätte gewußt, dass entlastendes Material nicht gesucht wurde. Erst als RAin Zecher die Fotos selbst beschafft habe, wären die Fotos innerhalb von zwei Stunden der Akte beigefügt worden. In diesem Moment hätten die beiden Jungs haftverschont werden müssen! Die Vorsitzende wollte den Zeugen Thomas J. zum Haftverschonungstermin im Frühjahr nicht hören. Dieser sei dann ohne Beisein der Verteidiger von der Polizei vernommen worden. Der Zeuge sei aber auch dort nicht von seinen Beobachtungen abgerückt! RAin macht sich Vorwürfe, vielleicht hätten sie sofort offensiver sein müssen, aber sie hatten sich Hoffnung auf die Verfahrenseröffnung im September gemacht. Alle beigebrachten Zeugen seien aber misstrauisch behandelt worden, ihnen sei bewußtes Lügen vorgeworfen worden. Das Gericht habe nicht einlenken wollen, bis plötzlich die Wende am 17.12. kam. Die knappe Begründung diente lediglich der Ehrenrettung der Polizei, diese hätten subjektiv gelogen, objektiv könne aber tatsächlich eine Verwechslung vorliegen. Dieses Verfahren hätte dazu beigetragen, dass viele Menschen das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren hätten. Sie beantragt Freispruch.
