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Prozessbeobachtung

3. Tag, 11. 09.2009, 09:00 – 16:00 Uhr

Der Saal ist mittlerweile nur für höchstens 25 Zuschauer zugelassen, ein entsprechendes Informationsschild befindet sich am Eingang des Besucherraums des Saal 817. D.h. Es mussten wieder viele Prozessbeobachter draußen bleiben. Geladen waren POK Berger und die Geschädigte. Die Sitzung begann mit der Vernehmung der Geschädigten.

Die Aussagen der Geschädigten

Sie habe sich zusammen mit einer Freundin am Kottbusser Tor befunden, beginnt die 28 Jährige ihre Schilderung. Die Stimmung zu dem Zeitpunkt sei bereits angespannt und aggressiv gewesen. Die Menschen seien verunsichert gewesen. Es kam zu vermehrten Stein- und Flaschenwürfen auf Polizeibeamte. Die Polizei sei mit Zwangsmaßnahmen und roher Gewalt gegen Unbeteiligte und ehemalige Demonstrationsteilnehmer vorgegangen. So habe die Zeugin beobachtet, wie ein Polizist einer vermummten Frau einen gezielten Schlag ins Gesicht verpasst hätte.

Zusätzlich zu der aufgeheizten Stimmung war an mehreren Stellen des Kottbusser Tors Feuer entflammt, so erinnerte sich die Zeugin. Es habe nach Rauch gerochen, antwortete die Zeugin auf die Frage der Richterin, ob sie vor der Tat Benzingeruch wahrgenommen hätte. Um das gesamten Kottbusser Tor hätten Polizeibeamte einen Kessel gezogen, außerdem befanden sich unter der Hochbahn zahlreiche Polizeibeamte in schwarz (vermutlich BFE). Persönlich habe die Geschädigte die Situation nicht als gefährlich empfunden.

Um Sie herum befanden sich zahlreiche Menschen in einem lockeren Radius von ca. einem Meter. Von dem ersten Brandsatzwurf habe Sie nichts mitbekommen. Zum Zeitpunkt der Tat befand sie sich auf der Mittelinsel im  Bereich zwischen Kottbusser Damm und Reichenberger Straße. Sie hielt sich vor einem trennenden Zaun auf, der die Fahrbahn und die Freifläche trennt. Normalerweise befinden sich dort angeschlossene Fahrräder. Es gibt dort auch Fahrradständer und hinter diesen befand sie sich.  Um Sie herum befanden sich ca. 15 Personen. Die Lichtverhältnisse schätze Sie trotz der Dunkelheit, ebenso wie die restlichen Zeugen, durch die Straßenbeleuchtung bedingt, als hell ein.

Wie sich die brennende Flüssigkeit des Brandsatzes über ihren Rücken ergoss und entzündete, habe sie nicht mitkommen. Sie sei erst durch auflodernden  Flammen darauf aufmerksam geworden, dass ihre Jacke Feuer gefangen hatte. Die Jacke bestand aus Baumwolle. Durch eine mitgeführte Tasche konnte sie ihre Jacke jedoch nicht ausziehen. Sie sei herum gesprungen und habe sich leicht vom Fleck bewegt, aber sie sei nicht gerannt. Passanten brachten sie zu Boden und löschten die Jacke. Ein Sanitäter leistete Erste Hilfe, übergoss die Wunde mit einer Flüssigkeit und gab ihr ein "Kühlpack". Er teilte ihr mit, sie müsse umgehend ins Krankenhaus und riet ihr das Kottbusser Tor über den Kottbusser Damm zu verlassen. Eine dort positionierte Polizeikette ließ sie jedoch nicht passieren, obwohl sie ihre Wunde und die Tat erwähnte. Bereits dort hatte sich eine größere Blase über der Wunde gebildet.

Ein hinzugekommener FAO Zivilbeamte schritt in diesem Moment ein und teilte ihr mit: "Wir haben die Täter gesehen und sofort geschnappt!". Der Zivilbeamte wies sich anschließend bei den uniformierten Beamten aus und begleitete die Geschädigte ins Krankenhaus. Dort wurde ihr 2/3 der verbrannten Haut entfernt und die Wunde verbunden. Die Verbrennungen zweiten bzw. dritten Grades erstrecken sich über eine Fläche von ca. zwei Handflächen am unteren Teil Ihres Rückens. Im Anschluss wurde sie zur Vernehmung in die Kruppstraße gebracht. Über die gesamte Zeit wurde sie vom FAO-Beamten begleitet. Die durch die Verletzung entstandenen Schmerzen habe sie erst bei der Vernehmung wahrgenommen. Im Zeitraum davor habe sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach unter Schock befunden. Auf der Wache sei sie gefragt worden, ob sie Strafantrag stellen möchte, sie bejahte und in der Akte findet sich Ihre Aussage wie folgt: "Ja ich möchte, dass der Täter bestraft wird".

Es folgen mehrere Fragen von Schöffen und Verteidigung, außerdem wird sie aufgefordert eine Skizze anzufertigen. Nach der Verbrennung habe Ihre ganze Kleidung  nach Benzin gerochen. Zur beschlagnahmten Kleidung sagte sie, die Polizei habe gleich nach der Tat ihre Jacke sichergestellt, später seien Zivilbeamte zu ihr Nachhause gekommen und haben ebenfalls ihr T-Shirt beschlagnahmt. Bei der Vernehmung seien drei Zivilbeamte zugegen gewesen. Die haben sich mehrfach nach ihrem Befinden erkundigt und ihr Essen und Trinken bereitgestellt.

Während des Verhörs herrschte Chaos. Der Protokollierende Beamte habe „keine Ahnung“ vom Computersystem gehabt und habe mehrmals den Raum verlassen. In einem nahe gelegenen Raum haben sich mehrere Zivilbeamte befunden. In Ihrem Raum war Platz für ca. 6 Protokollanten, die gleichzeitig Aussagen aufnehmen konnten. Den Beamten, der sie durch die Polizeikette begleitet hatte, habe sie nicht wieder gesehen. In dem Büro, das zur Vernehmung diente, sei es möglich gewesen, die Gespräche und Aussagen anderer Zeugen problemlos mitzuhören.

Herr Klinggräff wandte sich in seinem und im Namen seines Mandanten Yunus K. direkt an die Geschädigte. In etwa sagte er: "Es tut mir und meinem Mandaten außerordentlich Leid, was Ihnen geschehen ist. Mein Mandant kann diese Tatsache leider nicht selbst formulieren, dies würde den Anschein erwecken als ob er sich für seine Tat entschuldigen würde. Diese Tat hat er aber nicht begangen und war auch nicht daran beteiligt, dennoch bedauert er das Geschehene sehr." Die Verhandlung wurde damit für ca. 10 Minuten bis 10:10 Uhr unterbrochen. Es sollte mit der Vernehmung des zweiten Zeugen aus der FAO weitergehen.

Danach wurde der POK Berger aus  der Sondereinheit "FAO" umfangreich befragt. Er war bei der Festnahme der Angeklagten beteiligt. (Die genauen Aussagen werden später ergänzt).

Die Richterin verkündet im Anschluss den geplante Zeitplan und die zu vernehmenden Zeugen für die zukünftigen Prozesstage.

Weitere Zeugen werden zugelassen

Dem Antrag, die ehemaligen Anwälte der Angeklagten als Zeugen zu vernehmen wird stattgegeben. Somit müssen die Angeklagten die Anwälte vor Gericht von ihrer anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht befreien. Rigo und Yunus erklären sich damit einverstanden, in Bezug auf den Antrag 5 vom 8.9.2009 in Bezug auf das Beweisthema Ihre damaligen Anwälte von ihrer Verschwiegenheitspflicht zu befreien. Das wird so festgehalten.

Hiermit wird die Verhandlung bis zum 15. September um 9 Uhr unterbrochen.

 

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 DER HAFTBEFEHL GEGEN YUNUS UND RIGO WURDE AM 17.12. AUFGEHOBEN!  

Der Unterstützerkreis dankt allen, die sich für Yunus und Rigo engagiert haben - den Verteidigern, den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern, den vielen Bürgerinnen und Bürgern aus allen Altersschichten.  

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  DISKUSSION "Ende gut. Alles gut?" Reflexionen über eine Prozess-Farce 

Waldorfschule Mitte, 30.01.2010 um 19:00 Uhr 

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