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4. Prozesstag (15.09.)

Obwohl die Richterin ungehalten über die ständigen und gravierenden Widersprüchlichkeiten der Polizei-Zeugen war, gab sie dem Antrag auf Haftverschonung der beiden Jugendlichen nicht statt. Wir, die Prozessbeobachter, stehen diesem Vorgang fassungslos gegenüber. Nun stellt sich wirklich und ernsthaft die Frage, ob das Gericht überhaupt Interesse daran hat, den Vorgang unvoreingenommen aufzuklären.

Es handelt sich um Jugendliche, denen immerhin versuchter Mord vorgeworfen wird - also kein Kavaliersdelikt - und den Polizeizeugen ist es offensichtlich erlaubt, jede beliebige, gerade in ihr Konzept passende, Aussage zu machen.

> detaillierte Prozessbeobachtung

Die Pressevertreter sind an diesem Tag nicht erschienen.

Grober Ablauf des 4. Prozesstages

Die Verteidigerin Zecher stellt Strafanzeige gegen den Zeugen (verdeckter Ermittler) Berger. Dieser hat dem Angeklagten Rigo B. bei der Festnahme Einweghandschuhe untergeschoben, die als Beweis herhalten sollten. Die Einweghandschuhe wurden untersucht, es befanden darauf keine Spuren des Brandbeschleunigers, der die Geschädigte traf. Der Hauptbelastungszeuge Berger verwickelte sich daher am dritten Prozesstag extrem in Widersprüche. (Die Strafanzeige gegen Berger wird am 7. Prozesstag abgelehnt.)

Die Freundin der Geschädigten wird vernommen.

Der Gutachter, der die Verletzungen beschrieben hat, wird vernommen.

Zwei weitere Polizisten, Einsatzleiter, der am Tatort und zur Tatzeit anwesenden Hundertschaften werden vernommen. Sie können sich anhand der Lageskizze gut an den Abend erinnern. Ihre Aussagen entlasten die Angeklagten, da sie sich mit deren Aussagen decken.

Der ebenfalls an der Festnahme beteiligte verdeckte Ermittler Kleine wird vernommen.

Er stellt in seiner Aussage richtig, dass er den Molotow Cocktail Wurf selber nicht gesehen hat (wie er fälschlicherweise nach der Festnahme zu Protokoll gab), sondern die Vorgangsbeschreibung von seinem Kollegen Berger wörtlich übernommen hat.

Auch diese Aussagen entlasten die Angeklagten.

Kleine beschreibt, wie sein Kollege Berger ihn unmittelbar nach der Tat auffordert den beiden Angeklagten nachzulaufen und sie festzunehmen. Nicht, dass Berger die Täter beschreibt, er "zeigt" Kleiner die "Täter" und man bleibt den Jugendlichen, die in Richtung Sparkasse gehen um Geld abzuheben, auf den Fersen.

Da die beiden Jugendlichen in Richtung der Polizeiabsperrung gehen, ist die Festnahme kein Problem. Kleiner beschreibt ihre Reaktion auf die Festnahme mit völliger Überraschung. Er bezeugt, dass die Angeklagten sich nicht gegen ihre Festnahme gewehrt haben. In seinem Bericht hingegen, gibt er auf Veranlassung von Berger "Widerstand gegen die Staatsgewalt" an.  Die Richterin Petra Müller ist irritiert. Der OberStaatsanwalt Ralph Knispel hat sich an diesem Prozesstag vertreten lassen. Wir danken dem Zeugen Kleine für seinen Mut und sein Verantwortungsgefühl der Wahrheit und der Biographie zweier Jugendlicher gegenüber. Das ist bestimmt nicht leicht.

Die Verteidigung beantragt, die Angeklagten sofort aus der U-Haft zu entlassen. Das Gericht berät eine Stunde lang.

Dem Antrag wird nicht stattgegeben !?!

 

 

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 DER HAFTBEFEHL GEGEN YUNUS UND RIGO WURDE AM 17.12. AUFGEHOBEN!  

Der Unterstützerkreis dankt allen, die sich für Yunus und Rigo engagiert haben - den Verteidigern, den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern, den vielen Bürgerinnen und Bürgern aus allen Altersschichten.  

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  DISKUSSION "Ende gut. Alles gut?" Reflexionen über eine Prozess-Farce 

Waldorfschule Mitte, 30.01.2010 um 19:00 Uhr 

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In Berliner Gerichten häufen sich Prozesse, die kontrovers diskutiert werden. [mehr]

 

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