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8. Prozesstag (27.10.)

Yunus und Rigo sitzen seit 6 Monaten in U-Haft.

Dieser Prozesstag hatte es in sich. Der Einladung der Vereinigung Berliner Strafverteidiger e.V. waren viele Anwälte gefolgt. Der Prozess errege Aufmerksamkeit wegen des von der Anklage erhobenen Tatvorwurfs. Er habe beispielhafte Bedeutung.

Frau Clemm liest eine Erklärung, sie fasst die letzte Zeugenaussage zusammen. Damit hätte sich der Tatverdacht aufgelöst. Die Verteidigung beantragt, die Funkprotokolle der Polizei als Beweismittel zuzulassen. Die Richterin sieht keinen Bedarf an der Änderung der Haftsituation. Der Prozesstag beginnt wie gewohnt.

Vor der Mittagspause werden weitere Zeugen gehört. Zwei von ihnen hatten auf den Zeugenaufruf im Internet und die Aushänge im Stadtteil reagiert. Die junge Englisch-Lehrerin erzählt, wer wann wo gestanden hätte, wie die Flasche mit dem Benzin geworfen wurde, wie die Frau Feuer gefangen hätte, wie sie zusammen geholfen hätten, die Frau zu löschen. Sie äußert sich erleichtert, dass die Rastazöpfe der Frau kein Feuer gefangen hätten. Das wäre schlimm ausgegangen. Sie hätte die Täter anfassen können, so nah hätte sie bei ihnen gestanden. Kurz nach dem Wurf hätte sie die Täter etwas weiter weg, in Richtung Kottbuser Str. ausmachen können, Die Täter hätten aus der Ferne beobachtetet, wie die Frau gelöscht wurde. Dann seien sie weg gewesen. Warum sie nicht zur Polizei gegangen wären, um dort ihre Aussage zu wiederholen. Auf die Idee sei er nicht gekommen, äußert ihr Freund, der Student. Das verwundert den Oberstaatsanwalt und die Richterin. Die Zeugen mustern die Angeklagten und können in ihnen die Täter nicht wiedererkennen. Der Werfer hätte skandinavisch blonde Haare gehabt und ein schmales Gesicht. Die Aussagen passen gut in das Bild vom Tatgeschehen, das sich in den letzten Prozesstagen zusammengesetzt hat. Die Aussagen stimmen überein bzgl. des Tatortes, der Fluchtrichtung der Täter, der Flugbahn der brennenden Flasche und der Beschreibung des Tatgeschehens. Und in einem gravierenden Detail. Alle behaupten, die Angeklagten nie gesehen zu haben. Wie können sich die Polizeizeugen da so sicher sein, sich nicht geirrt zu haben? Bis hierhin ein Prozesstag wie all die anderen. (bis zur Mittagspause detaillierte Beschreibung)

Nach der Mittagspause tritt ein neuer Zeuge auf. Die am Verfahren Beteiligten kennen ihn vom Foto. Das von der Staatsanwaltschaft anfangs zurückgehaltene Foto zeigt ihn von vorn. Die Ermittlungsbehörden haben ihn ausfindig gemacht. Es läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn, darauf hatte Frau Zecher gedrungen. Der Zeuge kommt in Begleitung seines Vaters, der auf der Pressebank Platz nimmt. Befragt von der Richterin erzählt auch der junge Mann von seinen Wahrnehmungen am Abend des 1. Mai. Wo er gestanden hätte, nämlich nicht dort, wo das Foto entstanden ist, wie er den Feuerschweif gesehen hätte, wie die Polizei mit Eimern die brennende Frau gelöscht hätte. Polizisten mit Wassereimern - dieses Detail ist neu. Als Herr Klinggräff zur Befragung ansetzt, ruft der unter den Zuschauern seitzende Vater in den Saal "Jetzt ist Schluss. Die Sache ist hiermit beendet". Der Vater wird aus dem Saal gebeten und Herr Klinggräff setzt die Befragung fort. Jetzt aber verweigert der Zeuge die Aussage. Es wird laut im Saal, sehr laut. Alle reden durcheinander: der Oberstaatsanwalt, die Richter, die Anwälte. Warum die Richterin den Zeugen nicht hinterfragt hätte, sie sei doch sonst so genau. Da seien doch Widersprüche gewesen. Warum er da jetzt nicht nachhaken könne. Der Zeuge hätte doch nur von seinem Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch gemacht. Dieses Recht habe er nur, wenn er sich damit selbst belaste, sagt die Verteigung. Herr Klinggräff fragt nun nach, warum der Zeuge plötzlich die Aussage verweigere. Er halte das nicht für sinnvoll, er wolle sich nicht verquatschen. Dieser Prozesstag ist anders als die vorangegangen.

Die Verhandlung wird gegen 15:00 Uhr unterbrochen. Sie wird an diesem Tag auch nicht mehr fortgesetzt. Die Fronten zwischen Verteidigung und Anklage werden härter. Ist das Gericht in seiner Entscheidungsfindung befangen? Yunus und Rigo werden in einem nicht einsehbaren Kräftespiel zerrieben. Worum geht es hier im Saal? Wo ist der dringende Tatverdacht?

Yunus und Rigo werden in ihre Zellen zurückgebracht.

plakat


 DER HAFTBEFEHL GEGEN YUNUS UND RIGO WURDE AM 17.12. AUFGEHOBEN!  

Der Unterstützerkreis dankt allen, die sich für Yunus und Rigo engagiert haben - den Verteidigern, den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern, den vielen Bürgerinnen und Bürgern aus allen Altersschichten.  

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  DISKUSSION "Ende gut. Alles gut?" Reflexionen über eine Prozess-Farce 

Waldorfschule Mitte, 30.01.2010 um 19:00 Uhr 

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 POLITISCHE PROZESSE

In Berliner Gerichten häufen sich Prozesse, die kontrovers diskutiert werden. [mehr]

 

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