Sie lasen Dostojewski und hatten Angst, weil das Leben draußen ohne sie weiterging. Yunus und Rigo wurden nach dem 1. Mai 2009 wegen versuchten Mordes angeklagt. Nach sieben Monaten Haft kam der Freispruch – verloren haben sie trotzdem etwas. [mehr]
Am Ende sprach das Gericht die beiden jungen Männer frei. Die Ankläger legten zunächst Revision beim Bundesgerichtshof ein, zogen sie aber jetzt zurück. Das bestätigte Justizsprecher Martin Steltner der Berliner Morgenpost. Damit sind die beiden Schüler rechtskräftig freigesprochen...An dem Fall entzündet sich jetzt eine Debatte um Haftentschädigung. Für den Berliner Anwaltverein sind die Vorgänge um die Schüler ein Paradebeispiel dafür, wie die Wiedergutmachung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft misslingt. „Das ist ein Skandal“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Ulrich Schellenberg. [mehr]
Prof. Dr. Ulrich Eisenberg, Berlin fasst zusammen [mehr]
Am Ende des Aufsatzes gibt es einen Bezug auf den Prozess und die Öffentlichkeit und diese WebSite. [mehr]
In der oberen Etage der Staatsanwaltschaft wird rotiert. Am 1. Februar vollzieht sich eine Rochade, die zwei der bekanntesten Ankläger des Landes Berlin betrifft. Der Leiter der für Kapitalverbrechen, vor allem Mordfälle, zuständigen Abteilung, Oberstaatsanwalt Ralph Knispel, tauscht seinen Posten mit dem gleichrangigen Michael von Hagen.
Während des Telefonats soll B. auch Yunus K. indirekt als Mittäter genannt haben. „Er hat von einem Zellennachbarn im Gefängnis gesprochen, den er nach der Haft beim Biertrinken zu dem Einbruch ins Museum überredete.“ Die Polizei stellte Ermittlungen an.
Trotz der krachenden Niederlage blieb der Ankläger, damals Leiter der für Kapitalverbrechen zuständigen Abteilung, bis zum letzten Tag dabei: Es gebe „keine vernünftigen Zweifel“ an der Schuld der damals 16- und 19-jährigen Verdächtigen. Der neue Abteilungschef sieht das offenbar anders und ermittelt gegen andere Verdächtige. Um neuen Hinweisen nachzugehen? Oder alten? Die übersehen wurden? Ignoriert? Vertuscht?
Die Staatsanwaltschaft teilte am Mittwoch mit, dass man wegen möglicher „Gefährdung des Untersuchungszweckes“ keine Auskünfte erteile. „Die Ermittlungsansätze sind zu frisch“, sagte Sprecher Holger Freund.
Nach Tagesspiegel-Information befragen Ermittler der Mordkommission in diesen Tagen intensiv mögliche Zeugen von 2009. Darunter auch Personen, die bisher nicht vernommen worden sind. Die Ermittler versuchen offenbar mit einstigen Teilnehmern der linksradikalen Mai-Demonstration zu sprechen, die am 1. Mai rund um das Kottbusser Tor gezogen ist.
Die Rechtsanwaltskammer sah allerdings keinen Grund, ihre Kollegin zu maßregeln. Im Gegenteil: Man beschwerte sich bei Senatorin von der Aue über den Versuch, die Anwältin rügen zu lassen. „Die Politik hat versucht, mich zu disziplinieren, das ist ein schwerer Eingriff in die freie Anwaltstätigkeit“, sagte Ulrike Zecher am Donnerstag.
Während die BZ titelt: "Hier die Geschichte von Yunus K., den die Untersuchungshaft nicht zu einem schlechteren Menschen gemacht hat", schreibt der Tagesspiegel "Die Richter aber sahen 'keine Hilfe zur Tat oder zur Beutesicherung'. Yunus K. wurde wieder freigesprochen."
