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19.12.2009 / Inland / Seite 4


Weihnachten zu Hause

Yunus K. und Rigo B. nach sieben Monaten U-Haft entlassen. Rechtsanwältin fordert für Berliner Jugendliche Freispruch vom Vorwurf des »versuchten Mordes«

Von Markus Bernhardt

Die Berliner Schüler Yunus K. und Rigo B. sind am Donnerstag nach siebenmonatiger Untersuchungshaft überraschend freigekommen. Sie sind wegen »versuchten Mordes« angeklagt, weil sie im Anschluß an die diesjährige »Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration« in Berlin-Kreuzberg Molotowcocktails auf Polizeibeamte geschleudert haben sollen. Obwohl es bisher keinerlei Beweise für eine Tatbeteiligung der beiden gab und sie stets ihre Unschuld beteuerten, saßen die Waldorfschüler seit ihrer Festnahme am Abend des 1. Mai im Gefängnis. Einzig zwei Zivilpolizisten wollten die Angeklagten bei der Tat beobachtet haben. Die Äußerungen der Beamten galten vielen Prozeßbeobachtern, darunter Eltern, Mitschüler und Lehrer, als unglaubwürdig.

Ausgestanden ist die Sache für die Jugendlichen nicht. Oberstaatsanwalt Ralph Knispel beharrt trotz der Aussage der Vorsitzenden Richterin Petra Müller, daß gegen Yunus K. und Rigo B. kein dringender Tatverdacht mehr vorliege, auf der Einschätzung, daß es sich bei ihnen um die Molotowcocktailwerfer handeln müsse. Christina Clemm, Rechtsanwältin von Yunus K., bezeichnete die Freilassung ihres Mandanten am Freitag auf Anfrage von junge Welt als »längst überfällig«. Die beiden Jugendlichen müßten schnellstmöglich freigesprochen und für die Haft angemessen entschädigt werden, so Clemm weiter.

Bei den Angehörigen, Mitschülern und Unterstützern der Angeklagten hatte die Freilassung am Donnerstag Genugtuung ausgelöst. Seit Monaten hatten sie sich für die Freiheit ihrer Freunde stark gemacht. An einem Solidaritätsabend in der Waldorfschule Berlin-Mitte hatten im November etwa 400 Menschen teilgenommen. Unterstützung erhielten Yunus K. und Rigo B. zudem von verschiedenen antifaschistischen Gruppen, der Grünen Jugend Berlin und der Linksjugend [’solid] Berlin. Auch Bertold Höcker, Superintendent der evangelischen Kirche in Berlin, sowie Kreisjugendpfarrerin Silke Radosh-Hinder hatten sich für ihre Freilassung eingesetzt. Die Frankfurter Jusos forderten am Freitag eine »detaillierte Aufarbeitung dieses Justizskandals« sowie »einen schnellen Freispruch erster Klasse und eine Entschuldigung des Gerichts und der Staatsanwaltschaft«. Mike Josef, Sprecher der Jungsozialisten, kündigte an, von der Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) eine »Haftentschädigung in angemessener Höhe, weit über den gesetzlich vorgesehenen 25 Euro pro Tag« für die beiden Jugendlichen einzufordern. Die Berliner Linkspartei hingegen hielt sich vornehm zurück. Der Prozeß wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Eine für diesen Samstag angekündigte Demonstration »Freiheit für Yunus und Rigo« findet trotz ihrer Entlassung statt. »Jetzt erst recht!« heißt es auf der Homepage der Unterstützer. Der Treffpunkt ist um 14 Uhr, in der Weinmeisterstraße vor der Waldorfschule Mitte.

Informationen: www.yunus-rigo-prozess.de

plakat


 DER HAFTBEFEHL GEGEN YUNUS UND RIGO WURDE AM 17.12. AUFGEHOBEN!  

Der Unterstützerkreis dankt allen, die sich für Yunus und Rigo engagiert haben - den Verteidigern, den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern, den vielen Bürgerinnen und Bürgern aus allen Altersschichten.  

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  DISKUSSION "Ende gut. Alles gut?" Reflexionen über eine Prozess-Farce 

Waldorfschule Mitte, 30.01.2010 um 19:00 Uhr 

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 POLITISCHE PROZESSE

In Berliner Gerichten häufen sich Prozesse, die kontrovers diskutiert werden. [mehr]

 

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