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taz, 08.09.2009

Prozess um Mai-Randale
Schüler belastet

Zweiter Tag im Molotow-Prozess. Polizist will Angeklagte als Täter erkannt haben. VON KONRAD LITSCHKO

Auch nach dem zweiten Prozesstag wegen eines geworfenen Molotowcocktails am 1. Mai 2009 bleiben weiter Fragen offen. Am Dienstag belastete ein Polizist vor dem Landgericht die wegen versuchten Mordes angeklagten Yunus K., 19 Jahre, und Rigo B., 17 Jahre. Er habe sie gesehen, wie sie gebeugt hantiert hätten, so der Polizeibeamte. Dann habe es einen Feuerschein gegeben und Rigo B. hätte den Brandsatz geworfen. Mit zwei Kollegen sei er den beiden mutmaßlichen Tätern gefolgt und habe sie wenig später festgenommen. "Eine Verwechslung schließe ich aus."

Der Brandsatz war vor den Polizisten zerschellt. Teile der brennbaren Flüssigkeit hatten aber eine Passantin verletzt. Die Verteidigung geht davon aus, dass die beiden Schüler mit den wahren Tätern verwechselt werden. Sie forderte erneut die Ablösung von Staatsanwalt Ralph Knispel, weil dieser befangen sei und sich einseitig auf die Angeklagten "eingeschossen" habe. Knispel beschuldigte die Anwälte des "Rufmordes". Die Richter allerdings lehnten eine Absetzung ab.

Die Verteidigung kritisierte die Aussagen des Polizisten. Der 38-jährige Beamte erklärte, die Gesichter der Täter nicht gesehen, die Werfer aber bis zur Verhaftung verfolgt zu haben. Nur für wenige Sekunden hätten andere Personen seinen Blick versperrt. Für die Verteidigung genug, um eine anschließende Verwechslung nicht auszuschließen. Rätselhaft bliebe auch, warum die Angeklagten nach der vermeintlichen Tat in Richtung einer Polizeikette geflohen sein sollen - dort waren die Schüler festgenommen worden. Die Angeklagten beteuern, nur am Rand die Krawalle beobachtet zu haben und sich auf dem Weg zur Sparkasse befunden zu haben.

Die Verteidigung monierte zudem, dass es mehrere Minuten gedauert haben soll, bis die Verdächtigen nach der Tat festgenommen wurden - obwohl nach Aussage des Beamten der Tatort nur rund 20 Meter von der Polizeikette entfernt lag. "Hier sind die Falschen angeklagt", so Anwältin Ulrike Zecher. Die Schüler hätten in mehreren Vernehmungen und ohne Kontakt zueinander identisch ihren Tagesablauf geschildert, wonach sie nur als Schaulustige in Kreuzberg waren. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Ein Urteil wird am 10. Oktober erwartet. Konrad Litschko

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